„Geht nicht, gibt’s nicht.“ Einblicke in das Fügetechnikzentrum bei Magna Steyr

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Museum für innovative Technologien: es ist hell und sauber, die Exponate sind akribisch beschriftet. Viele davon sind ganze Karosserie-Teile wie Türen oder B-Säulen, bei anderen handelt es sich um schmale Testbleche aus verschiedenen Metallen – auch eine ganze Karosserie steht hier; die Schweißpunkte, Nähte und Nieten gut sichtbar. Dazwischen stehen Roll-Ups, Schilder und Geräte, gelegentlich weisen Notiz-Zettel darauf hin, dass es sich um einen Arbeitsplatz handelt.

Viele der Maschinen in dieser Halle sind Widerstands- Punktschweißanlagen. Das saubere thermische Fügeverfahren ist sehr beliebt im Automobilbau. Hier wird unter anderem die neue DeltaCon von Fronius für das Punktschweißen v on Aluminium getestet.

Gemeinsam mit seinem sechs-köpfigen Team betreibt er das Fügetechnikzentrum bei Magna Steyr in Graz (Österreich). Das Unternehmen fertigt hier ganze Fahrzeuge – aktuell die Mercedes- Benz G-Klasse, den BMW 5er, den BMW Z4, den Toyota GR Supra sowie den Jaguar E-PAC E und I-PAC E. Warme und kalte Fügetechniken werden im Fügetechnikzentrum für den Einsatz im Karosseriebau entwickelt und auf Herz und Nieren getestet: Für welche Materialien eignet sich das Verfahren? Sind die Verbindungen metallurgisch stabil? Ist das Verfahren von Mitarbeitern in der Anwendung beherrschbar? Und nicht zuletzt – stimmen die Kosten?

Nach der Eingangshalle gelangt man zu einigen Handschweißplätzen, Prüfstellen und Roboterzellen. Einiges an High-Tech Equipment ist hier zu sehen – Geräte zur metallurgischen Prüfung, komplex anmutende Laserköpfe, hochmoderne Schweißgeräte und vieles mehr. Das ist nötig, denn das Fügetechnikzentrum macht alle Erstversuche bis hin zur metallurgischen Freigabe der Werkstofftechnik. Und das für alle gängigen Fügeverfahren wie etwa Stanznieten, Widerstands-Punktschweißen, Schrauben, Kleben, Clinchen, MIG/MAG Schweißen und Laserprozesse. „Die Verbindungstechnik wird immer wichtiger und auch immer komplexer durch den Materialmix“, begründet Karner die umfassenden Techniken.

DAMIT ES HÄLT

Doch nicht nur das Testen und Entwickeln fällt in den Aufgabenbereich des Fügetechnikzentrums: Wenn Probleme in der Serienfertigung auftreten, steht das Team sofort bereit. Darüber hinaus werden hier Lehrlinge ausgebildet. Jeder technische Lehrling bei Magna Steyr muss schweißen lernen – 2019 waren das immerhin etwa siebzig Auszubildende. Und das freut Werner Karner, selbst gelernter und passionierter Schweißer. „Im Automobil- Rohbau wird zwar mittlerweile MIG/MAG- Schweißen so gut es geht vermieden, aber es kommt immer wieder – auch bei aktuellen Entwicklungen wie Batteriewannen wird erneut viel geschweißt.“ Den Grund dafür erklärt Karner lakonisch: „Richtig geschweißte Verbindungen sind extrem zuverlässig. Das hält einfach.“ Dem kann Christoph Pangerl von Fronius nur beipflichten. Er ist als Key Account Manager für die Betreuung von Magna Steyr zuständig. Immer wieder entwickelt man gemeinsam neue Lösungen– sei es für das Verschweißen von Stahl und Aluminium oder für besonders effizientes Aluminium-Punktschweißen. „Geht nicht, gibt's nicht“ – das ist das Motto des Fügetechnikzentrum- Leiters, und er betont, dass alle von Fronius ihn stets bestmöglich dabei unterstützen, dieses auch in die Tat umzusetzen. Seit über dreißig Jahren arbeitet Karner mit Fronius zusammen, und das partnerschaftliche Verhältnis ist ihm sehr wichtig. „Auf Fronius kann ich mich zu hundert Prozent verlassen – wenn ich was brauche, ist wer da. Der Service ist der beste. Und es ist eine sehr ehrliche Beziehung.“ Im Moment testet das Fügetechnikzentrum insbesondere die DeltaCon Widerstands-Punktschweißzange. TPS/i mit CMT und TransSteel sind seit geraumer Zeit schon bei Magna Steyr im Einsatz.

Die beiden lächeln einander an und man spürt deutlich, wie freundschaftlich das Verhältnis ist – im wahrsten Sinne des Wortes zusammengeschweißt durch ihre gemeinsam gelösten Herausforderungen.

Magna Steyr ist Teil des kanadisch-österreichischen Magna-Konzerns. Der Fahrzeug-Auftragsfertiger entwickelt und produziert markenunabhängig Gesamtfahrzeuge für OEMs. In seiner über 100-jährigen Geschichte hat Magna Steyr bis heute mehr als 3,5 Millionen Fahrzeuge, aufgeteilt auf 29 unterschiedliche Modelle, produziert. Das Fügetechnikzentrum von Magna Steyr ist Teil der Business Unit Painted Body und befindet sich am Hauptsitz von Magna Steyr in Graz.